Groove mit Starkstrom-Power
Unterpindhart (zur) Steht der Mann unter Strom? Und wenn ja, wo lädt er seine Akkus auf? Es bleibt Edwin Kimmlers Geheimnis, wo er die schier unermüdliche Energie für Auftritte wie den in Unterpindhart herzieht. Langkettige Kohlehydrate allein sind jedenfalls keine ausreichende Erklärung für die sportlich und musikalische Höchstleistung, die der Musiker vor seiner jubelnden Fangemeinde brachte.
Im Mittelpunkt des Geschehens standen im ersten Set wie immer die Gitarren, von denen Kimmler eine ausstellungswürdige Sammlung dabei hatte. Virtuos entlockte er seiner Gibson den Swing der 30er Jahre und zelebriert auf einer hart besaiteten Messingdame ( die ausnahmsweise die Stelle der stählernen Triolian einnahm) den Boogie. Kimmler flitzt dem Bottleneck über die Bünde und pickt wie ein wildgewordener Specht an den Strings, seine Finger singen Melodien und geben sich gleichzeitig die Hintergrundklänge. Mit einer originalgetreu nachgebauten Stella, der Königin unter den 12saitigen Gitarren, macht er beim sonoren Bariton Ragtime Reverend Gary Davies alle Ehre. Zwischendrin spielt der zwischen kindlicher Begeisterung und humorvoller Selbstverliebtheit schwankende Rhytmusathlet zur Abwechslung Mundharmonika. Oder besser: Er hüpft, stampft, bläst, saugt und explodiert schier vor lauter “Groove”.
Nach der Pause muss das E-Piano für seine musikalischen Ausbrüche herhalten, die auch körperlich langsam ihre Spuren zeigen. Zu sehen am Schweißfleck in der Kniekehle, der sich langsam ausbreitet (Kimmler ist halt in jeder Hinsicht ein Unikum). Vom virtuos über die Tasten eilenden Interpreten angestiftet, macht das Publikum fröhlich mit beim “gesanglichen Befreiungsseminar”. Gut, dass Kimmler wenigstens zu ruhigeren Tönen greift, das Tempo bremst und zeigt, dass er auch sanft und leise sein kann. Stücke wie “Truth” oder das als fünfte (!) Zugabe gegebene Gospel – die mit einfühlsamer Dynamik herausstechen – würde man sich mehr wünschen. Schon allein, um das “Fever” der Zuhörer wieder auf gesunde Normaltemperatur zu kühlen.





